Thea von Harbous Der Krieg und die Frauen entwirft ein eindringliches Panorama des Ersten Weltkriegs aus einer Perspektive, die nicht das Schlachtfeld, sondern die sozialen und seelischen Umwälzungen der Heimat in den Mittelpunkt rückt. Der Roman verfolgt, wie Frauen unter den Bedingungen von Verlust, Entbehrung und nationaler Mobilisierung neue Rollen übernehmen und zugleich in tradierten Erwartungshorizonten gefangen bleiben. Stilistisch verbindet von Harbou erzählerische Anschaulichkeit mit pathetischer Verdichtung; das Werk steht damit im Spannungsfeld von Kriegsroman, Zeitdiagnose und ideologisch geprägter Geschlechterdarstellung der Zwischenkriegszeit. Thea von Harbou, Schriftstellerin, Drehbuchautorin und eine der markanten Kulturfiguren der Weimarer Republik, war in besonderer Weise für groß angelegte, gesellschaftlich aufgeladene Stoffe sensibilisiert. Ihre Beschäftigung mit Opferbereitschaft, Gemeinschaft und historischer Krise spiegelt biographische wie zeitgeschichtliche Erfahrungen eines Deutschlands, das von Krieg und politischer Erschütterung geprägt war. Auch jenseits ihrer filmhistorischen Berühmtheit zeigt sich hier ihre Neigung, individuelle Schicksale mit kollektiven Ideen zu verschränken. Wer literarische Zeugnisse der Kriegs- und Geschlechtergeschichte des 20. Jahrhunderts verstehen will, sollte dieses Buch lesen. Es empfiehlt sich nicht nur als Roman, sondern als aufschlussreiches Dokument seiner Epoche: ambivalent, diskussionswürdig und gerade deshalb wissenschaftlich wie literarisch ergiebig.