Hinter jedem Vergessen liegt eine Geschichte, die gehört werden will. Hildegard Nachum öffnet mit "Die Weisheit der Demenz" den Blick auf das, was die Medizin oft übersieht: die Seele hinter der Diagnose. Ihr Ansatz gründet auf der Validation nach Naomi Feil und dem personenzentrierten Denken von Tom Kitwood - nicht korrigieren, sondern mitfühlen.
Aus 17 Jahren Praxis erzählt sie berührende Fallbeispiele von Menschen, deren Kriegstraumata, verschwiegene Verluste und ungestillte Sehnsucht im Alter an die Oberfläche drängen. Biografiearbeit wird hier zum Schlüssel: Wer die Lebensgeschichte kennt, versteht das scheinbar Unverständliche.
Dieses Fachbuch mit Fallbeispielen ist zugleich einfühlsamer Ratgeber für den Umgang mit Demenz - mit konkreten Kommunikationstechniken, die menschenwürdige Pflege im Alltag ermöglichen. Es verbindet Erkenntnisse der Nonnenstudie und der Traumaforschung mit einer tief menschlichen Haltung.
Unverzichtbare Lektüre für pflegende Angehörige, Altenpfleger und alle, die Kommunikation mit Demenzkranken als Herzensarbeit verstehen wollen.
Die hilfreichen Techniken der Validation sind selbst beim Lesen - immer mit dem Hintergrund von Erzählungen über bestimmte Menschengeschichten - so nachvollziehbar und neben aller Sachlichkeit auch einfach beschrieben, dass sie ein bemerkenswertes Instrumentarium bilden. [?] Um auch den Blick in die Zukunft der Demenz zu machen, schließt das so sorgsam gestaltete Buch mit dem Hinweis darauf, dass in einer sich ständig verändernden Welt großes Denken seinen Platz haben muss. [?] Um sich in [der] Welt der desorientierten Menschen bewegen zu können und ihnen ihre Würde niemals zu nehmen, ist dieses Buch ein besonderer Wegweiser, den die Autorin liebevoll gestaltet hat.
- Birigt Meinhard-Schiebel, Präsidentin der Interessensgemeinschaft pflegender Angehöriger (Pflege und Kunst)